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REPARATUREN

Eigentlich bin ich ja keine Reparaturwerkstatt, aber ab und zu kommt es doch vor, dass einem ein kaputtes Buddelschiff über den Weg läuft. Und wenn die Alternative Wegwerfen heißt, dann bringe ich es nicht übers Herz NEIN zu sagen. Schließlich weiß ich wieviel Arbeit, Geduld, Nerven und Fummelkram es bedeutet, ein Schiffchen in eine Buddel zu bugsieren.

Hier findet ihr also die Buddelschiffe, die nicht meine "Kinder" sind,  sondern die ich quasi adoptiert habe um ihnen wieder neues Leben einzuhauchen.

April 2021: Viermastbark "PAMIR"

Im Internet habe ich dieses Buddelschiff der PAMIR gefunden. Ganz ehrlich, ich weiß nicht so recht, warum ich sie gekauft habe. So sah sie auf jeden Fall aus, als sie zu mir kam

Ich hatte vor, die Buddel von innen zur reinigen und dann das Schiff zu richten. Das mit dem Reinigen klappte auch prima

Beim Richten des Modells merkte ich aber ganz schnell, dass mit der Bausubstanz nicht viel los war und holte das Modell aus der Flasche

 

Schnell stellte sich heraus, dass das ganze Rigg total marode war. Ich plünderte das Schiff also und fertigte ein komplett neues Rigg inklusive Bugspriet an. Den Rumpf habe ich unten um 5mm abgeschliffen und dafür ein separates Unterwasserschiff angefertigt, weil ich ahnte, dass es im Hals arg eng werden könnte. Beim Einkleben des Unterwasserschiffes machte ich einen entscheidenden Fehler. Ich habe nicht berücksichtigt, wie stark das Heck der PAMIR übersteht und habe das Unterwasserschiff zu nahe am Flaschenboden eingeklebt. Das Modell konnte so nicht weit genug nach hinten.

Es gab nur einen Alternative zum Entsorgen des gesamten Projektes: Mit dem Modell in der Flasche musste ich das alte "Wasser" ausbauen und durch neues ersetzen. Dazu baute ich wie einen Dachboden 2 Streben quer in die Flasche ein, auf dem ich das geklappte Modell ablegte.

während das Modell oben "lagerte" habe ich unten komplett neues Wasser eingebaut und gestrichen. Am Ende musste das Modell eine Rolle seitwärts absolvieren und konnte dann auf der korrekten Position aufgerichtet werden. Der Rest war Routine: Alle Segel und Fäden sortieren und ausrichten und die 25 Fäden, die noch aus der Flasche heraus hingen, abschneiden. Am Ende befand sich eine wunderschöne PAMIR in der Buddel

PAMIR

 

PAMIR

 

Wer mehr über diese schon recht merkwürdige Reparatur - Ähnlichkeiten mit der Reparatur der GORCH FOCK sind rein zufällig - wissen will, der kann sich diese kleine Diashow anschauen.

 

 

 

!!! EIGNER GESUCHT !!!

Jetzt suche ich für dieses schicke Buddelschiff einen neuen Eigner. Wer Interesse hat, der mache mir bitte ein Angebot. Den Kaufpreis werde ich am Ende verdoppeln und dann geht er als Spende an den VHL-Verein

 Januar 2021: Segelboot Typ Stern "ESCAPADE"

Im Januar erreichte mich ein Hilferuf von Marga aus Allensbach. Sie hatte das Buddelschiff ihres Mannes beim Staubwischen "geschrottet". Nun war das nicht irgendein Buddelschiff, sonderN das Modell seines geliebten Stars ESKAPADE, mit dem er viele Regatten gesegelt war. Er hat das Boot ihr zuliebe aufgegeben, als die Kinder unterwegs waren und Marga hat es als Dankeschön für ihn anfertigen lassen. Sie hat es eingepackt und mir zugeschickt. Und so sah es aus, als es ankam:

Überall waren leichte Beschädigungen, aber nichts DRamatisches. Das Gute war, dass ich noch eine leere Dimple-Flasche in meinem Flaschenlager hatte, so dass ich direkt ans Werk gehen konnte. Als erstes habe ich mir die gleiche Farbe angemischt, um das das alte Wasser zu ersetzen. Dann habe ich das Kitt in die neue Buddel eingebaut und gestrichen. Zum Schluss kam als Platzhalter für das Boot, noch eine Montageplatte aus Holz ins Kitt, auf die wurde später das Boot aufgeklebt.

Das Modell war gut zu reparieren. Eine neue Querstange am Mast, Großsegel geklebt und neu am Mast befestigt, Fock neu an der Stag befestigt, eine neue DK-Flagge angefertigt und zum Schluss habe ich dem Großsegel noch eine Schot, mit der das Schothorn am Baum gehalten wird spendiert. Ich habe so viel Original gelassen, wie es ging, damit der Charme dieses schon 40 Jahre alten Buddelschiffes nicht verloren ging. ─ Ja und dann war es auch schon so weit. Die ESKAPADE lief ohne Probleme in ihren neuen gläsernen Hafen ein.

Wen interressiert, wie die Reparatur im Einzelnen von statten ging, der kann sich dieses kleine Video anschauen.

Und so sah sie nach der Raparatur aus:

August 2020: Viermastbark PASSAT  in einer 3-Liter-Buddel

Eigentlich wollte ich mir beim Mögelfundus im Kossehof ein rotes Ledersofa anschauen, aber dann hatte der Mitarbeiter in seinem Büro diese wunderschöne PASSAT  stehen. Leider war die Buddel von innen total beschlagen. Ich brauchte nicht lange zu überlegen, so ein schönes Modell zu einem kleinen Preis findet man selten. Also nahm ich sie mit nach hause.

PASSAT

PASSATPASSAT

Vorsichtig sichtig öffnete ich die Buddel, die mit diesem Siegel versehen war. Falls jemand weiß, wer dieses Modell gebaut hat, dann würde ich mich freuen, wenn er oder sie dieses Wissen mit mir teilt. Ich habe ein kleines Loch in das Wachs geschmolzen, um das Siegel möglichst zu erhalten. Aber leider war der Korken so bröselig und mürbe, dass er nur in Krümeln aus dem Hals zu holen war. Das Siegel konnte ich leider nicht retten.

Nachdem ich den Korken heraus hatte, versuchte ich zunächst das Beschlagene im Innern durch Trocknung zu beseitigen. Leider klappte das nicht. Also musste ich mit Draht, Küchenrolle und Nitro-Verdünner zu Werke gehen.

Nach und nach wurde das Glas wieder klar. Problematisch wurde die Arbeit im Bereich der Takelage. Schon leichte Berührung brachte einige Fäden zum reißen. Ich schätze mal, dass das Buddelschiff schon ein paar Zig Jahre auf dem Buckel hat. ─  Aber letztlich habe ich es geschafft. Sie erstrahlt wieder in vollem Glanz und ziert jetzt das Regal in meinem kleinen Büro.

PASSAT

Vielleicht kann ich noch mal die gerissenen Fäden erssetzen, auf jeden Fall muss ich noch ein paar Rahen ausrichten, bevor ich die Buddel wieder verschließe.

August 2020: Kleine Rote Brigg in zerbrocherner Buddel

Ich erhielt eine Mail von Julian, der mir mitteilte, dass er das Buddelschiff seiner Freundin geschrottet hat, das die einzige materielle Erinnerung an ihren Vater darstellte. Und ob ich das reparieren könnte. So sah das Schiff aus, als es bei mir ankam:

Eine erste Inspektions brachte schnell die Wahrheit über dieses "Buddelschiff" ans Tageslicht. Es war ein Fake- oder auch Nepp-Buddelschiff. Die Kontruktion war nicht klappbar, auf dem Knetgummi, dass das Wasser darstellte waren Fingerabdrücke (!) und das Glas hinter dem Schiff war für eine Flasche untypisch gerade gebrochen. Fazit: Die Flasche war aufgeschnitten worden, das Knetgummi mit den Fingern geglättet und das fertige Modell von hinten in die Flasche eingesetzt worden. Zum Schluss hat man die Flasche wieder zusammengeklebt und die "Schnittwunde" vermutlich mit einem Stück Tau umwickelt, um sie relativ unsichtbar zu machen.

Ich baute das Modell also auseinander und stellte dabei auch noch fest, dass der Rumpf aus Moosgummi bestand. Der war so nicht brauchbar und ich fertigte ihn aus Holz, ebenso wie beide Masten, neu an. Dann wurde die Rote Brigg als Klappmodell wieder aufgetakelt. Eine neue Buddel war schnell gefunden und mit ein wenig Kitt und Farbe war das Meer auch schnell wieder hergestellt. Das Modell habe ich zunächst ohne die Rahsegel verbuddelt. Weil diese mit den 3 Rahen aus einem Stück Papier gefertigt waren, ließen sie sich nur schwer klappbar machen. Sie wurden dann zum Schluss eingebaut. Und so ist aus dem eigentlichen Nepp-Buddelschiff doch noch in seinem 2. Leben ein kleines Schmuckstück entstanden.

 

Und wer ganz genau wissen will, was zwischen "Ein- und Auslaufen" der kleinen roten Brigg passiert ist, der sollte sich dieses kleine Video anschauen. Viel Spaß beim Anschauen!

Video

März 2020:  Viermastbark PAMIR mit gebrochenem Fockmast

Per Mail nahm ein junger Mann mit mir Kontakt auf und fragte mich, ob ich ein altes Buddelschiff, dass schon solange er zurückdenken konnte, bei seinen Eltern auf dem Kamin gestanden hatte und jetzt einen abgeknickten Mast habe. Die angehängten Bilder sahen nicht sehr vielversprechend aus. Da das Kitt, das vermutete ich zumindest, seit Anfang der 70er Jahre sicherlich steinhart geworden war, sah ich keine Chance das Schiff heile aus der Flasche heraus zu holen. Deshalb schrieb ich zurück, dass es vermutlich nicht möglich sei, dieses Modell zu retten. - Aber es ließ mir keine Ruhe. Ich machte den Vorschlag, die Flasche von einem Kunstglaser aufschneiden zu lassen, aber der winkte ab, weil die Buddel vermutlich unkontrolliert reißen würde. Nachdem der Besitzer im "Wasser" in der Buddel herumgestochert und festgestellt hatte, dass es keineswegs hart war, entschied ich mich, die Reparatur zu übernehmen. Ein paar Tage später brachte er sie mir nach hause und da sah ich sofort, dass ich mich niemals getraut hätte, so eine schöne alte Apothekerflasche aufzuschneiden.

PAMIR

Ganz vorsichtig löste ich den Rumpf aus dem "Wasser", dieses war wirklich weich und zäh. Plastik-Fermit vermutlich. Danach versuchte ich das Modell so gut es ging in der Buddel zusammen zu klappen. Da fehlten natürlich die Hände in der Buddel, und ich musste mir mit einen dünnen Draht helfen. Schließlich lag der Havarist - ohne Buddel - auf meinem Tisch und es war nicht mehr kaputt gegangen, als vorher schon in der Buddel kaputt war, was mich sehr beruhigte. Ich schnitt den Fockmast, der gebrochen war heraus und stellte dabei fest, dass der unbekannte Baumeister für die Stagen ganz dünne Gummischnur verwendet hatte, die sich beim zurückklappen der Masten dehnen sollten. Das hatten sie bei meiner Evakuierung des Modells auch getan, allerdings zum letzten Mal. Nach ca. 50 Jahren war das Gummi spröde und alles hing schlaff herunter. Also schnitt ich alle Stagen heraus und ersetzte sie durch Baumwollfäden. Den Mast und eine Rah baute ich nach und so nach und nach kam eine wunderschöne PAMIR zum Vorschein. Zum Schluss kam noch die Buddel an die Reihe. die musste erst mal kräftig durchgeputzt werden.

Nachdem das Glas wieder blitzeblank war wurde noch das "Wasser" nachmodelliert und neu gestrichen und dann kam der Reload der PAMIR. Die Rücküberführung klappte wie am Schnürchen und nach einer guten Stunde erstrahlte sie in neuem Glanz in ihrem ursprünglichen gläsernen Heimathafen.

PAMIR

Wenn jemand sehen möchte, wie die PAMIR aus der Flasche heraus und wieder hinein gekommen ist, der kann sich hier dies kleine Video anschauen. Viel Spaß!

August 2017: Ein uraltes Buddelschiff aus Augsburg

Na da macht man ein paar Tage Urlaub in Bayern und fragt in einem kleinen schnuckeligen Antiquitätenladen in der Altstadt, dem Antikolorum von Herbert Nowak nach dem Preis eines alten Sodaspenders aus dem Schaufenster. Über einige Umwege sind wir dann auf Buddelschiffe gekommen und dann meinte Herr Nowak: "Also ein Buddelschiff habe ich auch." Und holte eine kleine etwas beschlagene Buddel aus dem Schaufenster. Dieses Buddelschiff habe sein Onkel Otto Endruweit 1910 gebaut. Whow, ein schmuckes Teil. Aber da ich ja keine Buddelschiffsammlung oder gar ein Museum habe kaufte ich es nicht. Aber es ging mir auf unserem weiteren Weg durch die Altstadt nicht mehr aus dem Kopf. Ich entschloss mich, zurück zu kehren. Ich habe es käuflich erworben und es mittlerweile zuhause in meiner Werkstatt wieder aufbearbeitet.

Originalzustand beim KaufOriginalzustand beim Kauf

Nachdem ein Abend auf dem Sims unseres Kamins die vermeintliche Feuchtigkeit, die sich an der Innenseite der Buddel abgesetzt hatte, nicht beseitigen konnte habe ich mir die Sache ganz genau angeschaut. Mit langem Werkzeug und vielen Wattestäbchen getränkt mit Aceton, konnte ich den Belag vom Glas fast vollständig entfernen. Teilweise war es schwierig das Glas auf der Vorderseite zu erreichen, weil das Modell durch die windbedingte Seitenlage, sehr dicht an die vordere Seite der Buddel kommt. Und kaputt machen, wollte ich ja nun auch nix. Das Buddelschiff ist schließlich schon über 100 Jahre (!) alt. Und so sieht es heute aus und steht in meinem Wohnzimmer unter einem Halbmodell eines Windjammers aus dem Jahre 1852.

Nach der RestaurationNach der Restauration