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REPARATUREN

Eigentlich bin ich ja keine Reparaturwerkstatt, ab und zu kommt es doch vor, dass einem ein kaputtes Buddelschiff über den Weg läuft. Und wenn die Alternative Wegwerfen heißt, dann bringe ich es nicht übers Herz NEIN zu sagen. Schließlich weiß ich wieviel Arbeit, Geduld, Nerven und Fummelkram es bedeutet, ein Schiffchen in eine Buddel zu bugsieren.

Hier findet ihr also die Buddelschiffe, die nicht meine "Kinder" sind,  sondern die ich quasi adoptiert habe um ihnen wieder Leben einzuhauchen.

August 2020: Kleine Rote Brigg in zerbrocherner Buddel

Ich erhielt eine Mail von Julian, der mir mitteilte, dass er das Buddelschiff seiner Freundin geschrottet hat, das die einzige materielle Erinnerung an ihren Vater darstellte. Und ob ich das reparieren könnte. So sah das Schiff aus, als es bei mir ankam:

Eine erste Inspektions brachte schnell die Wahrheit über dieses "Buddelschiff" ans Tageslicht. Es war ein Fake- oder auch Nepp-Buddelschiff. Die Kontruktion war nicht klappbar, auf dem Knetgummi, dass das Wasser darstellte waren Fingerabdrücke (!) und das Glas hinter dem Schiff war für eine Flasche untypisch gerade gebrochen. Fazit: Die Flasche war aufgeschnitten worden, das Knetgummi mit den Fingern geglättet und das fertige Modell von hinten in die Flasche eingesetzt worden. Zum Schluss hat man die Flasche wieder zusammengeklebt und die "Schnittwunde" vermutlich mit einem Stück Tau umwickelt, um sie relativ unsichtbar zu machen.

Ich baute das Modell also auseinander und stellte dabei auch noch fest, dass der Rumpf aus Moosgummi bestand. Der war so nicht brauchbar und ich fertigte ihn aus Holz, ebenso wie beide Masten, neu an. Dann wurde die Rote Brigg als Klappmodell wieder aufgetakelt. Eine neue Buddel war schnell gefunden und mit ein wenig Kitt und Farbe war das Meer auch schnell wieder hergestellt. Das Modell habe ich zunächst ohne die Rahsegel verbuddelt. Weil diese mit den 3 Rahen aus einem Stück Papier gefertigt waren, ließen sie sich nur schwer klappbar machen. Sie wurden dann zum Schluss eingebaut. Und so ist aus dem eigentlichen Nepp-Buddelschiff doch noch in seinem 2. Leben ein kleines Schmuckstück entstanden.

 

Und wer ganz genau wissen will, was zwischen "Ein- und Auslaufen" der kleinen roten Brigg passiert ist, der sollte sich dieses kleine Video anschauen. Viel Spaß beim Anschauen!

Video

März 2020:  Viermastbark PAMIR mit gebrochenem Fockmast

Per Mail nahm ein junger Mann mit mir Kontakt auf und fragte mich, ob ich ein altes Buddelschiff, dass schon solange er zurückdenken konnte, bei seinen Eltern auf dem Kamin gestanden hatte und jetzt einen abgeknickten Mast habe. Die angehängten Bilder sahen nicht sehr vielversprechend aus. Da das Kitt, das vermutete ich zumindest, seit Anfang der 70er Jahre sicherlich steinhart geworden war, sah ich keine Chance das Schiff heile aus der Flasche heraus zu holen. Deshalb schrieb ich zurück, dass es vermutlich nicht möglich sei, dieses Modell zu retten. - Aber es ließ mir keine Ruhe. Ich machte den Vorschlag, die Flasche von einem Kunstglaser aufschneiden zu lassen, aber der winkte ab, weil die Buddel vermutlich unkontrolliert reißen würde. Nachdem der Besitzer im "Wasser" in der Buddel herumgestochert und festgestellt hatte, dass es keineswegs hart war, entschied ich mich, die Reparatur zu übernehmen. Ein paar Tage später brachte er sie mir nach hause und da sah ich sofort, dass ich mich niemals getraut hätte, so eine schöne alte Apothekerflasche aufzuschneiden.

PAMIR

Ganz vorsichtig löste ich den Rumpf aus dem "Wasser", dieses war wirklich weich und zäh. Plastik-Fermit vermutlich. Danach versuchte ich das Modell so gut es ging in der Buddel zusammen zu klappen. Da fehlten natürlich die Hände in der Buddel, und ich musste mir mit einen dünnen Draht helfen. Schließlich lag der Havarist - ohne Buddel - auf meinem Tisch und es war nicht mehr kaputt gegangen, als vorher schon in der Buddel kaputt war, was mich sehr beruhigte. Ich schnitt den Fockmast, der gebrochen war heraus und stellte dabei fest, dass der unbekannte Baumeister für die Stagen ganz dünne Gummischnur verwendet hatte, die sich beim zurückklappen der Masten dehnen sollten. Das hatten sie bei meiner Evakuierung des Modells auch getan, allerdings zum letzten Mal. Nach ca. 50 Jahren war das Gummi spröde und alles hing schlaff herunter. Also schnitt ich alle Stagen heraus und ersetzte sie durch Baumwollfäden. Den Mast und eine Rah baute ich nach und so nach und nach kam eine wunderschöne PAMIR zum Vorschein. Zum Schluss kam noch die Buddel an die Reihe. die musste erst mal kräftig durchgeputzt werden.

Nachdem das Glas wieder blitzeblank war wurde noch das "Wasser" nachmodelliert und neu gestrichen und dann kam der Reload der PAMIR. Die Rücküberführung klappte wie am Schnürchen und nach einer guten Stunde erstrahlte sie in neuem Glanz in ihrem ursprünglichen gläsernen Heimathafen.

PAMIR

Wenn jemand sehen möchte, wie die PAMIR aus der Flasche heraus und wieder hinein gekommen ist, der kann sich hier dies kleine Video anschauen. Viel Spaß!

August 2017: Ein uraltes Buddelschiff aus Augsburg

Na da macht man ein paar Tage Urlaub in Bayern und fragt in einem kleinen schnuckeligen Antiquitätenladen in der Altstadt, dem Antikolorum von Herbert Nowak nach dem Preis eines alten Sodaspenders aus dem Schaufenster. Über einige Umwege sind wir dann auf Buddelschiffe gekommen und dann meinte Herr Nowak: "Also ein Buddelschiff habe ich auch." Und holte eine kleine etwas beschlagene Buddel aus dem Schaufenster. Dieses Buddelschiff habe sein Onkel Otto Endruweit 1910 gebaut. Whow, ein schmuckes Teil. Aber da ich ja keine Buddelschiffsammlung oder gar ein Museum habe kaufte ich es nicht. Aber es ging mir auf unserem weiteren Weg durch die Altstadt nicht mehr aus dem Kopf. Ich entschloss mich, zurück zu kehren. Ich habe es käuflich erworben und es mittlerweile zuhause in meiner Werkstatt wieder aufbearbeitet.

Originalzustand beim KaufOriginalzustand beim Kauf

Nachdem ein Abend auf dem Sims unseres Kamins die vermeintliche Feuchtigkeit, die sich an der Innenseite der Buddel abgesetzt hatte, nicht beseitigen konnte habe ich mir die Sache ganz genau angeschaut. Mit langem Werkzeug und vielen Wattestäbchen getränkt mit Aceton, konnte ich den Belag vom Glas fast vollständig entfernen. Teilweise war es schwierig das Glas auf der Vorderseite zu erreichen, weil das Modell durch die windbedingte Seitenlage, sehr dicht an die vordere Seite der Buddel kommt. Und kaputt machen, wollte ich ja nun auch nix. Das Buddelschiff ist schließlich schon über 100 Jahre (!) alt. Und so sieht es heute aus und steht in meinem Wohnzimmer unter einem Halbmodell eines Windjammers aus dem Jahre 1852.

Nach der RestaurationNach der Restauration