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Bau-Nr. 100: Projekt Time-bottle

Sicherlich werdet ihr euch fragen, was das denn sein soll. Ich bin dabei, die Brigg EYE OF THE WIND in drei unterschiedlichen Phasen ihres "Lebens" in einer Flasche darzustellen. Sie hat ihr Gesicht seit ihrem Stapellauf im Jahre 1911 sehr stark verändert. (Mehr dazu könnt ihr hier erfahren.) Auf die Idee gebracht hat mich die Lektüre des Buches "The Ship That Changes A Thousand Lives" von Ina Koys, ein Buch dass ich sehr empfehlen kann und das für alle Fans der Eye zur Pflichtlektüre zählt.

Zunächst habe ich 3 gleiche Schiffrümpfe geschnitzt

Dann habe ich das Wasser in die Buddel eingelassen

Danach kommt das erste Schiff, die FRIEDRICH an die Reihe: Sie bekommt die Bau-Nr. 99 1/3

Nachdem der Rumpf fertig gestrichen ist, wird zunächst die Takelage angebracht und danach die Segel

Mittlerweile ist die FRIEDRICH schon zu ihrer Erprobungsfahrt auf die Nordsee aufgebrochen

Jetzt werden noch die Decksaufbauten hergestellt und dann ist sie bereit für ihre letzte Reise.

13. Februar: Nachdem ich mich eine ganze Weile mit anderen Dingen herumgeschlagen habe, bin ich mal wieder zum Basteln gekommen. Ich habe der FRIEDRICH ein Geländer und zwei Anker gebaut. Normalerweise kommt das Geländer - auf dem Schiff heißt das Reling - vor dem Takeln, aber ich hatte es schlicht und einfach vergessen: peinlich!

 

15. Februar: Leider komme ich aufgrund des guten Wetters wenig zum bauen. Aber auf jeden Fall ist die FRIEDRICH jetzt klar die Leinen los zu schmeißen und in See (Buddel) zu stechen

 

Samstag, 16. Februar: Heute morgen um 8 war es noch kalt draußen, da habe ich die Zeit genutzt um die Leinen los zu schmeißen

Am Abend hatte ich keinen Bock auf Glotze, also ab in den Keller und Schiffe verbuddeln:

Erst einmal muss alles platt gemacht werden

Passage gut überstanden, auch wenn's schlimm aussieht

Dann musste das Rigg aufgerichtet und alle Segel an ihren Platz gebracht werden. Da gerät so ein Schiff schon mal aus der Spur oder kentert sogar

Nachdem sich die alte Dame wieder aufgerichtet hatte ...

...ist sie erst einmal eine Position rückwärts gesegelt

um dann auf ihrer endgültigen Position, die dem Jahr 1911 entspricht, festzumachen

Jetzt wird es Zeit für einen Zeitsprung in das Jahr 1976

 

Bau-Nr. 99 2/3 EYE OF THE WIND (1976)

Montag, 18. Februar:

Ich bin noch ein wenig in Euphorie, weil das Einbuddeln der Friedrich so gut geklappt hat, deshalb habe ich mich gegen Abend in meinen Werftkeller verzogen um an der EYE, wie sie 1976 ausgesehen hat, zu werkeln. Zunächst musste mal eine Reling gebaut werden

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Danach sind Bugspriet und Klüverbaum an der Reihe. Das ist eine Veränderung gegenüber der FRIEDRICH, die nur ein Bugspriet hatte.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Und so sah die EYE aus, als ich Feierabend gemacht habe:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Freitag, 22. Februar:

Auf dem Vorschiff wurde die Balkenkonstruktion, von der ich nicht weiß wie das heißt, angebracht. auch die Ankerwinde steht schon auf dem Deck und der Anstrich ist auch schon erfolgt.

 

 

 

 

 

 

 

Auf dem Achterdeck wurde die Vorrichtung (die hat bestimmt auch einen Namen?), die das Beiboot aufnehmen soll, angebracht, na klar mit Flaggenstock.

 

 

 

 

Und natürlich wurde das Inflatable auch schon geliefert, mit Außenborder und allem drum und dran.

 

 

 

 

Donnerstag, 7. März:

Bei Schietwetter macht das Arbeiten auf meiner kleinen Kellerwerft richtig Spaß:

 

 

 

Mittlerweile sind die Decksaufbauten geschnitzt

 

 

 

 

 

 

und werden jetzt gestrichen

 

 

 

 

 

 

Auch das Rigg ist bereits fertig zur Montage

 

Sonntag, 10. März: Da ist es, das heiß ersehnte Schietwetter mit Sturm, Regen und Schnee. Super Wetter, um auf meiner Werft zu arbeiten, zumal ich heute vormittag Strohwitwer bin. Als erstes habe ich den Rumpf mal von der Kellerwerft in mein Warmes Wohnzimmer geschleppt. Hier brennt der Ofen und es ist schön gemütlich - die Kaffeemaschine ist auch nicht weit...

 

Der Fockmast ist gesetzt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Jetzt kommt der Großmast dran

 

 

 

Das Rigg ist so gut wie komplett, es fehlt noch ein wenig laufendes Gut un dein paar Stagen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Jetzt ist der Segelmacher dran. Der fängt immer hinten an, ist wohl einfacher....

und dann die Stagsegel zwischen den Masten

 

 

 

So langsam sieht man, wo die Reise hingeht

 

Aber jetzt müssen erst mal die gewerkschaftlich vorgeschriebenen Pausen eingehalten werden, sonst gibt es Streik, und das verzögert das Projekt nur unnötig!

 

 

 

So, der Segelmacher ist von Bord, jetzt muss nur noch das Wuhling aufgeräumt werden, dann ist die Lady klar zum Auslaufen!

 

 

 

 

 

Ach ja, die Schoten der Stagsegel, hat er vergessen zu belegen, dass muss noch mal eben gemacht werden, sonst flattern die bei diesem Wind kaputt...

 

Dienstag, 12. März: So alle Vorbereitungen sind getroffen, alle (21) Leinen sind los, dann kann die Reise beginnen. Aber vorher muss ich noch ins Kino. Es läuft der Film Astrid, über Astrid Lindgren. Ich will schließlich wissen, wie die Frau auf so tolle Geschichten und Charaktäre gekommen ist, die mich und meine Kinder lange Jahre begleitet haben. Also geht es morgen früh erst los.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Mittwoch, 13. März:

Tief Franz hält uns mit Sturm und Regen an zu Indoor-Aktivitäten, also habe ich gleich nach dem Frühstück die Flucht nach vorne angetreten:

                                                         Na das "klappt" ja prima

 

 

 

Voll festgelaufen

 

 

 

Schiffbruch? Nein: Koordiniertes Chaos

 

 

 

Da gibt es noch einiges zu richten "Schkell un schkeef het Gott leef" (Krumm und Schief hat Gott lieb)

 

 

 

Da gibt es noch Einiges zum Abschneiden

 

 

 

 

Und dann beginnt die Zeitreise ins Jahr 1976

 

 

 

Geschafft, Position erreicht

 

 

 

 

zusammen segeln macht mehr Spaß

 

 

 

 

Und schon segeln zwei alte Ladies, die ja in Wahrheit nur ein Schiff zu unterschiedlichen Zeitpunkten sind, gemeinsam durch den Ozean der Zeit in der Timebottle.

Bau-Nr. 100 EYE OF THE WIND (Stand 2019)

Hier geht es in Kürze los. Der Rumpf ist vorrübergehend bei den beiden anderen Ladies in der Timebuddel "eingeparkt"

25. März: So nach dem ganzen schönen Hochwasser mit Paddeltouren und allem Drum und Dran ist jetzt endlich mal wieder Buddelschiff-Bauwetter und ich komme dazu, die 3. EYE weiter zu bauen.

Aus ca. 0,5 mm dickem Holz wird vorsichtig die Mars-Plattform für den Fockmast geschnitzt.

 

 Ja, das passt schon beinahe. Da ist noch etwas Schleifarbeit nötig.

 

 

Ganz vorsichtig wird sie über die Fockstenge geschoben.

 

 

 

Ja, so soll es aussehen.

 

 

 Als nächstes werden die Spieren (Rahen, Bäume und Gaffeln) angefertigt. Was hier beim Bohren sehr brachial aussiegt ist in Wirklichkeit nur ein 0,5mm-Bohrer - sonst bleibt von der Rahnock nichts übrig!

 

Parallel geht es mit dem Rumpf weiter. Hier sind schon das Bugspriet und der Klüverbaum montiert, sowie die Balkenkonstruktion dahinter. Dank der freundlichen Unterstützung durch den Eigner der EYE, Ronald Herkert, weiß ich jetzt auch, wie die einzelnen Teile heißen. Der senkrechte Balken heißt BETING und dient dazu, die Festmacher und Ankertrossen zu belegen. Die waagerechten Balken sind die KRANBALKEN. Sie dienten dazu die schweren Stockanker bis auf die Bordwand zu hieven. Heute hat die Eye allerdings andere Anker, die an der Ankerkette bis in die Klüsen hochgezogen werden. Dadurch bleibt der Crew schwere Knochenarbeit nach dem Ankerlichten erspart.

 

26. März: Wenn man mal nicht recht raus kommt, dann schafft man drinnen richtig was: Mittlerweile sind Klüverbaum und Bugspriet, sowie der Stampfstock montiert und gestrichen. Die Bugzier ist angebracht, ebenso wie die Matingale am Bug. Ähnlichkeiten sind schon erkennbar.

 

 

 

Dann ist das Beiboot fürs Heck dran. Eigentlich braucht man nur alles wegschneiden, was nicht Beiboot ist ;-)

 

 

 

So, das Ruderhaus und der Davit mit Flaggenstock am Heck sind auch schon montiert.

 

 

 

Und so sieht die Lady momentan von hinten aus.

 

 

 

 

27. März: So jetzt habe ich es endlich geschafft, die Eye so weit fertig zu stellen, dass das Takeln in Angriff genommen werden kann. Das ist neben dem Schnitzen des Rumpfes meine Lieblingsarbeit. Beides sind Arbeitsschritte, mit denen unwiderruflich den Charakter des Schiffes festlegt. Was nützt es, wenn die Rumpffarbe zwar stimmt, aber irgendwie sieht das, was da in der Buddel steckt mehr wie ein Oster-Eye aus....

Das ist jetzt der aktuelle Stand: Rumpf und Decksaufbauten sind fertig (müssen aber bis nach der Überführung in den finalen Glashafen noch wieder abgebaut werden. Sonst passte das Ganze nicht durch den Hals der Buddel.

 

Das Rigg liegt schon in einem Marmeladenglas "eingemacht" bereit um auf das Schiff gebracht und montiert zu werden. Wenn alles in einem verschlossenen Marmeladenglas steckt, dann geht bis zur Montage nix verloren. Was für mich eine Rah oder der Gaffelbaum ist, scheint für jemanden anderen nur ein Holzsplitter zu sein und wird mit den übrigen Spänen einfach aufgefegt oder -gesaugt... (der Flaggenstock ist z. B. nur ein Bambuss-Splitter von ca. 0,5mm Durchmesser)

 

 

8. April: So nach einem Kurzurlaub und einem Wochenende mit "Draußenwetter" muss ich nach Sonnenuntergang mal wieder ran. Die Masten stehen, es fehlen die Segel und noch ein wenig laufendes Gut.

 

 

 

Der Segelmacher mit seinen Leuten ist an Bord, das Besansegel ist bereits angeschlagen.

 

 

 

Die Leute arbeiten fix: Und schon sind die Stagsegel des Großmastes angeschlagen.

 

 

 

Dann kommen die Rahsegel des Großmastes a    n die Reihe.

 

 

Da geht man mal eben in die Mittagspause und quatscht sich ein wenig fest und wenn man zurück kommt ist der Kahn komplett mit Segeln ausgestattet. Der helle Wahnsinn.

 

Eigentlich fehlt jetzt nur noch die Probefahrt. Mal schauen, morgen fahre ich nach Ostfriesland, meine alte Heimat, vielleicht kann ich die Eye vors Objektiv bekommen.

 

10. April: So, jetzt ist die Eye endlich so weit: Sie hat die Probefahrt auf der Nordsee mit Bravour gemeistert.

 

 

 

Jetzt ist die Eye soweit, dass sie ihren Platz in der Geschichte - in diesem Fall in meiner Timebottle - einnehmen kann.

Mal schauen, ob ich nach dem Ausgraben von großen Bambuspflanzen heute abend immer noch eine ruhige Hand habe...

 

 

11. April: Den Bambus habe ich alle gemacht - aber er mich auch, deshalb habe ich gestern abend keine Lust mehr zum Einbuddeln gehabt. Dafür ging es heute morgen gleich voll motieviert ans Werk.

 

Alle Fäden sind sauber aufgeschossen und die Eye ist bereit für ihre große Passage

 

 

 

 Da macht sich die Eye ganz schön dünne, damit sie glatt durchflutschen kann

 

 

 

Geschafft: Was aussieht wie eine Karamboulage beim rückwärts Einparken bietet im wahrsten Sinne des Wortes jede Menge Entfaltungsmöglichkeiten

Ach ja, hier ist noch ein kleines Video, das ich während des Einbuddelns gemacht habe.

 

 

Puh, das Rigg hat sich entfaltet, die "Schlacht" ist jedoch nicht ganz ohne Verluste geschlagen worden. Aufgrund eines Gedankenfehlers bei der Konstruktion musste die Brasse des Großroyalsegels entfernt werden. Außerdem hatte sich einer der Fäden, die das Besansegel ausrichten, falsch verklebt. Dann waren da noch 2 Schoten, die nicht gut saßen, aber alles nur Kleinigkeiten, die korriegierbar waren.

 

 

 

Das hat schon viel Schönes, allerdings laufen noch jede Menge "Trossen" aus der Buddel heraus, die noch verklebt und gekappt werden müssen.

 

 

 

 

 

 

 

Und am Ende segeln 3 alte Ladies friedlich wie auf einer Regatta, nebeneinander in die Abendsonne....